Wenn man in der Geschichte zurück blickt, wird man feststellen, dass es den "Echten Bohnenkaffee" in Europa noch nicht solange gibt. Das arabische Getränk oder auch "Türkentrank" galt vor "Kurzem" noch als exotisches Luxusgetränk. Zu Napoleons Zeiten kostete dieses Modegetränk umgerechnet ca. 10 Euro und war auch nur in den Kaffeehäusern von Amsterdam, London oder Venedig erhältlich. Und wer konnte sich dieses schon leisten. Friedrich der II. wollte sogar den Kaffeegenuss eindämmen und erließ Verbote und Steuern. Nur half dieses auch nichts. Der Mensch ist und bleibt nun mal erfinderisch und zeigt gerade in Notzeiten sein Erfindergeist. Das Zeitalter des Kaffeeersatzes war geboren.
Er war kostengünstig, denn alles was man brauchte waren Zichorie (Wegwarte), Roggen, Mohrrüben, Gerste, Kastanien, Eicheln, Rote Bete usw.. Nun ja, den Koffeingehalt konnte man nicht herzaubern, aber darum ging es auch gar nicht. So trank das Volk den "Malzkaffee", denn nur Wenige konnten sich Echten Bohnenkaffee leisten.
Übrigens, Kaffee ist ein heiß umkämpftes Thema in der DDR gewesen, welches sogar zwei Ministerien beschäftigte. Und das war so:
Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Kaffeeproduktion der Betriebe wieder aufgenommen; Anfangs illegal, seit 1948 im Verband der Konsumgenossenschaften.
Zu DDR-Zeiten war die Beschaffung von echten Bohnenkaffee immer wieder eine Herausforderung. Das Außenhandelsministerium beschaffte die Bohnen und das Ministerium für Leichtindustrie kümmerte sich mit den Großröstereien um die Zubereitung dieser. Begriffe wie
"Rondo", "Rondo Melange", "Kosta", "Moccafix Gold" und "Mona" waren (und sind auch heute noch) die gängigen Endprodukte. Diese wurden teuer vertrieben. Doch dem DDR-Bürger war der Kaffee ein Heiligtum und langte deshalb auch mal tiefer in seinen Geldbeutel.
125 g Bohnenkaffee kostete 8,75 Mark, was etwas über einen Euro entspricht. Über den Kaffee wurde und wird heute noch geschmunzelt, doch ist sein Ruf schlechter, als er in Wirklichkeit ist.
1977 kam es zur ersten großen Krise beim Bohnenkaffee. Spekulationsgeschäfte an der Börse trieben die Marktpreise um ca. das 5-fache in die Höhe, so dass es zu Engpässen beim Kaffeehandel kam. Die Regale waren wie leergefegt. Ein Krisenstab wurde eingerichtet, um dieses Dilemma zu beseitigen.
Ideen mussten her. So wurde darüber nachgedacht den Kaffee zu strecken, 50 % Röstkaffee und 50 % .... na wer weiß schon. So sah das Endprodukt dann aus:
51 % Röstkaffee
34 % Gersten- und Roggenanteil
5 % Zichorie
5 % Zuckerrübe
5 % Spelzen (Samenhülle der Gerstenkörner)
Auch wenn das Politbüro dieses Getränk für ausgezeichnet hielt, kam "Erichs Krönung" in der Bevölkerung nicht an. Da Unruhen im Ost- und Westblock nicht zu gebrauchen waren, einigte man sich intern am Roten Telefon, so dass die Weltmarktpreise für Rohkaffee wieder fielen. Auch der Einkauf von Kaffee aus Ländern der Dritten Welt, war ein hauptsächlicher Faktor für den Preisrückgang.
Nachdem dieses Debakel überstanden war, kam gleich das Nächste. Marode Maschinen machten eine Versorgung der Bevölkerung in der DDR fast unmöglich, sodass die Betriebe des VEB (VEB = Volkseigener Betrieb) Röstfein komplett saniert und modernisiert werden mussten. Neue Anlagen waren teuer, also wurde eine neues Verfahren kreiert - das Wirbelschichtverfahren-, welches nicht nur die Reduzierung der Kosten für die Produktion zu Folge hatte, sondern auch den Geschmack des Kaffees um ein Vielfaches anhob.
Der Preis für den Erwerb von Kaffee fiel um fast 60 %.
Mit der Wende kam der Einbruch in der ostdeutschen Kaffeeproduktion. Sechs der sieben Röstfeinbetriebe gingen Pleite, nur das in Magdeburg kann sich bis heute am Leben erhalten.
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Auch ich war einer von denen, der nach der Wende sofort nach den bunten Westverpackungen griff. Ich bin aber seit 1998 wieder bei der "Rondo"-Marke gelandet und bis heute dieser treu. Vielleicht ein bisschen aus Patriotismus, aber wohl eher des Geschmackes halber.
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